Vom Helmholtz nach New York – Studium mit Sportstipendium

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Die ehemalige Helmholtz-Schülerin Polly Struck, Abitur 2025, studiert seit einem Jahr Kommunikationswissenschaften am College of Staten Island (CSI), New York. Sie kam 2017 als Sportschülerin ans Helmholtz. Ihre Sportarten waren Schwimmen und Fußball. Nach einem Sportunfall im Jahr 2021 musste sie verletzungsbedingt mit dem Fußballspielen aufhören und konzentrierte sich von da an auf das Schwimmen. Sie nahm erfolgreich an schulischen und außerschulischen Wettkämpfen teil und engagierte sich als Altschafferin und Sporthelferin. Im Schwimmen wurde sie mehrfache OWL-Meisterin und nahm an Landesmeisterschaften und Deutsche Meisterschaften teil. Im Fußball Polly am DFB-Stützpunkt und spielte Westfalenauswahl.

Im Rahmen des Sport-Leistungskurses beschäftigte sie sich in ihrer Facharbeit mit dem Thema „Entwicklung der deutschen Leistungsschwimmerin Anna Elendt durch den Wechsel an eine Universität in den USA“. Hier entwickelte sich ihre Idee, im Ausland zu studieren und gleichzeitig auf hohem Niveau zu trainieren und sich sportlich weiterzuentwickeln.

Im Rahmen meiner Sabbatzeit habe ich die talentierte Leistungsschwimmerin besucht und von ihr eine Führung über den Campus erhalten. Im Interview berichtet sie, wie ihr Traum, an einer amerikanischen Universität zu studieren, wahr wurde: Wann hat sie angefangen, sich darum zu kümmern? Wie hat sie sich beworben? Und wie läuft das Leben als Studentin mit einem Sportstipendium ab? Das erfahrt ihr in diesem Interview.

Viel Spaß beim Lesen!

Angela Barner (HG-Lehrerin), Polly Struck (ehem. HG-Schülerin) und Michael Ackalitis (CSI Aquatics Director & Head Coach)

Was war deine Motivation, ins Ausland zu gehen?

Meine größte Motivation, ins Ausland zu gehen, war eigentlich das Schwimmen. Als ich zum ersten Mal gehört habe, dass man in den USA studieren und gleichzeitig auf einem hohen Niveau weiterschwimmen kann, fand ich die Idee direkt extrem cool. Für mich war klar, dass ich nach dem Abi unbedingt leistungsmäßig mit dem Schwimmen weitermachen wollte, und das ist in Deutschland neben dem Studium oft schwieriger zu verbinden.

Was mich an den USA besonders gereizt hat, sind auch die Bedingungen für Sportler. Ich finde es extrem cool, wie sehr College-Sport hier unterstützt wird und welchen Stellenwert Sport generell hat. Als Student-Athlet wird man ganz anders wahrgenommen und bekommt viele Möglichkeiten, Studium und Sport miteinander zu verbinden. Gleichzeitig wollte ich auch etwas Neues kennenlernen, aus meiner Komfortzone herauskommen und die Erfahrung machen, in einem anderen Land zu leben.

Wie bist du bei der Bewerbung vorgegangen?

Zuerst habe ich mich etwa zwei Jahre vor dem Abi bei der Organisation Scholarbook, einer Organisation, die dabei hilft, ins Ausland zu gehen, beworben. Hierfür musste ich verschiedene Unterlagen wie einen Lebenslauf, Nachweise über meine sportlichen Erfolge und Videos von mir beim Schwimmen vorlegen.

Daraufhin hat die Organisation eine Einschätzung abgegeben, ob es für mich sinnvoll wäre, mich an Universitäten in den USA zu bewerben. Da diese positiv ausgefallen ist, habe ich mich anschließend an 20 Universitäten bzw. Colleges beworben.

Nachdem ich die unverbindliche Einschätzung erhalten hatte, gab es ein weiteres Gespräch. Dabei konnte ich mich entscheiden, ob ein persönliches Profil erstellt werden sollte, welches anschließend an verschiedene College-Coaches geschickt würde. In diesem Profil standen persönliche Informationen, Schwimmergebnisse und weitere Angaben, zum Beispiel welche bisherige Rolle man im Team übernommen hatte.
Für die Bewerbung am College musste ich außerdem den Duolingo-Test (Sprachtest) und den SAT-Test (prüft die akademischen Fähigkeiten in Mathematik sowie Lesen und Schreiben für ein Hochschulstudium) absolvieren. Nach ungefähr einem Monat meldeten sich die ersten Coaches bei mir. Mit ihnen habe ich telefoniert und mich regelmäßig ausgetauscht, bis ich mich schließlich für ein College entschieden habe.

Hauptgebäude College of Staten Island

Wann kam die Zusage und wie ging es dann weiter?

Die Zusage vom College of Staten Island kam Anfang der Q2. Ich habe mich riesig gefreut, denn das war mein absolutes Wunsch-College.
Ende Januar wurde ich für eine Woche vom Unterricht am HG freigestellt, sodass ich mit meinen Eltern in die USA fliegen konnte, um mir den Campus vorab anzuschauen. Nach dem Abi bin ich dann direkt im Sommer rübergezogen und habe im September angefangen zu studieren.

Wie lief das mit dem Stipendium? Hast du dich dafür extra bewerben müssen? Zählen Noten und die sportliche Leistung gleich viel?
Beworben habe ich mich hauptsächlich über das Schwimmen. Das bedeutet, dass der mit Abstand größte Teil meines Stipendiums aus dem sportlichen Bereich kommt. Zusätzlich gibt es auch akademische Stipendien. Diese fallen besonders am Anfang häufig eher kleiner aus, können aber steigen, wenn man am College konstant gute schulische Leistungen zeigt.

Die akademische Leistung spielt für Student-Athletes generell eine sehr wichtige Rolle. Die einzelnen Sportteams vergleichen sich zum Beispiel auch untereinander. Am Ende jedes Semesters wird dafür der sogenannte Team GPA berechnet, also der Notendurchschnitt aller Athletinnen und Athleten eines Teams. Dadurch geht es nicht nur um die eigene Leistung, sondern auch darum, als Team akademisch gut abzuschneiden.

Außerdem muss man bestimmte akademische Voraussetzungen erfüllen, um weiterhin für das Training und für Wettkämpfe zugelassen zu sein. Man kann sich als College-Athlet also nicht ausschließlich auf den Sport konzentrieren, sondern muss gleichzeitig darauf achten, auch im Studium gute Leistungen zu erbringen.

Das College hat ein eigenes Schwimmbecken und Sporthallen. Vor allem die Basketball- und Fußballteams sind hier erfolgreich. Alle Sportlerinnen und Sportler trainieren unter professionell angeleiteten Bedingungen. Es gibt mehrere Gyms, in denen Athletiktraining stattfindet.

Wie sind die Trainingsbedingungen? Hast du dich im Schwimmen verbessert?

Die Trainingsbedingungen hier in den USA sind auf jeden Fall sehr gut. Ich habe zehn Schwimmeinheiten und drei Krafteinheiten pro Woche. Beim Schwimmtraining werden wir außerdem in verschiedene Gruppen eingeteilt, zum Beispiel in Distance- oder Stroke-Gruppen. Dadurch kann das Training viel besser auf die jeweiligen Strecken und Stärken abgestimmt werden.

Das Poster zeigt die Schwerpunktsportarten vom CSI (u.a. Basketball, Fußball und Leichtathletik)

Was ich auch sehr angenehm finde, ist, dass eigentlich alles direkt am College ist. Ich muss also nicht erst lange zum Training fahren, sondern habe Schwimmhalle, Kraftraum und alles Weitere direkt vor Ort. Außerdem bekommen wir sehr viel gestellt, zum Beispiel Schwimmequipment, Kleidung oder Rucksäcke.

Ich habe mich hier auch definitiv verbessert. Ich konnte mehrere Schulrekorde aufstellen, unter anderem über 100, 200 und 400 Lagen. Dazu kommen Rekorde mit den Staffeln über 4×50, 4×100 und 4×200 Freistil sowie über 4×50 und 4×100 Lagen. Für mich zeigt das schon ziemlich deutlich, dass mir das Training hier sportlich sehr geholfen hat.

Wie sieht ein klassischer Tag als Studentin am CSI aus?

Ich lebe in einer Studenten-WG direkt auf dem Campus. Ich stehe gegen 5:30 Uhr auf. Trainingsbeginn ist um 6:00 Uhr. Wir starten mit einer Aktivierung und schwimmen dann bis ca. 9:30 Uhr, danach kommen noch Physiotherapeutische Behandlungen.

Im Anschluss habe ich eine kurze Pause, in der ich oft in die Mensa gehe. Danach habe ich Veranstaltungen bis 16:00 oder 20:00 Uhr, je nachdem. Eine einstündige Mittagspause gibt es natürlich auch.

In meiner Freizeit treffe ich mich mit Freunden, gehe z. B. ins Kino oder fahre nach Manhattan. Etwas Haushalt und Einkaufen muss ich natürlich auch machen.

Was kannst du abschließend HG-Schülerinnen und -schülern raten, die mit dem Gedanken spielen, nach dem Abitur mit einem Sportstipendium in den USA zu studieren?

Eine Bewerbung sollte frühzeitig, mindestens 1,5 bis 2 Jahre im Voraus, erfolgen. Habt keine Angst davor, Englisch zu sprechen. Ihr müsst Englisch nicht als Abifach gehabt haben, um angenommen zu werden. Oft gibt es noch weitere internationale Studierende am College, mit denen man sich gut austauschen kann.

Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Mein wichtigster Rat wäre, früh genug mit dem ganzen Prozess anzufangen und sich wirklich Zeit bei der Entscheidung für ein College zu lassen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, und am Ende sollte man nicht einfach das erste Angebot annehmen, sondern überlegen, welches College sportlich, akademisch und auch persönlich am besten zu einem passt.

Ich glaube außerdem, dass man durch so einen Schritt nicht nur sportlich, sondern auch persönlich sehr wächst. Man wird selbstständiger, lernt viele neue Menschen kennen und muss sich in einer komplett neuen Umgebung zurechtfinden. Besonders die Team- und Sportmentalität hier in den USA ist noch einmal ganz anders als in Deutschland. Deshalb würde ich jedem, der mit dem Gedanken spielt, raten, sich zu trauen und die Möglichkeit auf jeden Fall ernsthaft in Betracht zu ziehen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg beim Schwimmen und im Studium!

Angela Barner (Das Interview wurde am 27.08.2026 durchgeführt.)